Achtung: Gesundheitsrisiko

Das von resistenten Keimen ausgehende Risiko ist auf dem Vormarsch und wird voraussichtlich bis 2050 eine häufigere Todesursache sein als Krebs. Wir müssen dem zunehmenden Verbrauch von Antibiotika in der Tierhaltung einen Riegel vorschieben und Tiertransporte aus Ländern mit hohem Antibiotikaverbrauch jetzt stoppen!

Verantwortungslose Nutzung von Antibiotika bedroht Millionen von Menschen. Bakterien und Keime werden zunehmend resistent gegenüber herkömmlichen Antibiotika. Der Auslöser dafür ist nicht nur die übermäßige Anwendung in der Humanmedizin, sondern auch die vorsorgliche Fütterung von Antibiotika in der Viehhaltung. Aber was hat sich getan seit der Verabschiedung der Strategie der Europäischen Kommission (EC) im Jahr 2001 und was sind sinnvolle Maßnahmen, um eine zunehmende Bedrohung einzudämmen?

Derzeit werden jährlich 131.000 Tonnen Antibiotika bei Tieren eingesetzt, die am Ende auch, auf die eine oder andere Weise, auf unseren Tellern landen. Studien schätzen, dass bis 2050 bis zu über 10 Millionen Menschen jährlich an den Folgen von antimikrobieller Resistenz sterben. Aktuell sind es 700.000 Menschen weltweit, die aufgrund von resistenten Keimen pro Jahr an einer Infektion sterben.

Dieser kontinuierliche Zuwachs ist die Konsequenz einer steigenden Nachfrage von Fleisch und Milch sowie die damit zusammenhängende Industrialisierung der Tierhaltung. Fleisch ist ein wesentlicher Bestandteil unserer täglichen Mahlzeiten.

In den meisten Fällen werden Antibiotika in der Tierhaltung zur Vorsorge eingesetzt, da durch schlechte hygienische Umstände und Stress die Tiere anfälliger für Krankheiten sind. In manchen Fällen werden Antibiotika auch als Mastbeschleuniger gefüttert. Dies ist in Europa seit 2016 verboten, Fleischimporte aus Drittländern sind von dieser Regelung jedoch ausgeschlossen. Durch Tiertransporte und Fleischimporte landen die resistenten Keime dann bei uns.

Antibiotika werden oftmals entweder in einer zu hohen oder in einer zu niedrigen Dosis verabreicht, was zu einem erhöhten Risiko der Resistenzentwicklung von Keimen führt. Vom Stall wandern diese resistenten Keime ins Wasser, in die Gülle oder bleiben als Rückstände im Fleisch.

Einige wenige Studien zeigen bereits, dass Tiere von Ökobetrieben weitaus weniger resistente Keime aufweisen als Tiere aus konventioneller Landwirtschaft. Je größer der Tierbestand, desto häufiger kommen multiresistente Keime vor. Die EU-Verordnung zum ökologischen Landbau sieht die Nutzung von Antibiotika erst vor, wenn alle andere Maßnahmen nicht anschlagen und auch dann nur unter größter Vorsicht.

Die EU-Institutionen, die WHO und zivilgesellschaftliche Organisationen sind sich des Risikos bewusst und fordern deshalb teilweise ein Verbot antimikrobieller Mittel in der Tierhaltung. Der Aktionsplan „Eine Gesundheit“ der europäischen Kommission wird in den kommenden Wochen vom Umweltausschuss des Europäischen Parlaments kommentiert. Auch im Landwirtschaftsausschuss durften wir heute eine Empfehlung aussprechen.

Bisher wurden auf Grundlage dieses Aktionsplans viele unterschiedliche nationale Leitfäden entwickelt, die sowohl einen umsichtigen Gebrauch von Antibiotika fordern, als auch die bessere Datensammlung ihres Einsatzes und ihrer Folgen auf Mensch, Tier und Umwelt.
Diese Leitfäden reichen aber meiner Meinung nach nicht aus! Um das Problem von antimikrobiellen Resistenzen in der Tierhaltung zu vermeiden, müssen wir weg von Intensivhaltungssystemen. Tiere die auf engstem Raum zusammengepfercht sind und unter stressigsten Situation gemästet werden, sind natürlich viel anfälliger für Infektionen. Auch müssen wir Tiertransporte, die nicht EU-Standards entsprechen, stoppen, da sie ein häufiger Grund für die Verbreitung von resistenten Keimen sind.

Aufgrund dieser Tatsache fordere ich:

  • Den sofortige Stopp von Lebendtiertransporten aus den betroffenen Regionen
  • Die strikte Trennung von Verschreibung und Verkauf der Antibiotika
  • Ein Ende der EU-Agrarförderungen für industrielle Tiermastbetriebe