Ein klares Nein zu grausamen Tiertransporten

Täglich werden in Europa etwa eine Million Tiere lebend transportiert – oftmals unter grausamen Umständen. Tiertransporte durch und innerhalb Österreichs entsprechen nach wie vor nicht immer den Bestimmungen der Tiertransportverordnung der EU sowie des österreichischen Tiertransportgesetzes. Besonders oft werden maximale Transportzeiten nicht eingehalten, Tiere sind falsch angebunden und die Versorgung mit Wasser und Raumangebot sind mangelhaft. Die Umstände verschlimmern sich zumeist noch, sobald die europäischen Grenzen überschritten werden. Transportunternehmen müssen laut eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs gewährleisten, dass die Bestimmungen der Transportverordnung für den gesamten Transport eingehalten werden –auch für jene Streckenteile, die außerhalb der EU liegen. Der Gerichtshof hat dieses Urteil in einem anderen Fall im Oktober 2017 bestätigt. In der Praxis kommt es jedoch außerhalb Europas kaum zu Kontrollen, so dass die Vorschriften tausendfach nicht eingehalten werden. Von Österreich aus gehen „Zuchttierexporte“ zumeist in die Türkei, nach Usbeskistan, Kasachstan oder Russland. Probleme treten bei diesen Transporten nicht nur an den Grenzübergängen auf, wo LKWs im Sommer oft Stunden oder sogar tagelang bei extremen Temperaturen feststecken, ohne dass eine ausreichende Versorgung für die Tiere sichergestellt werden könnte. Auch die onehin schon extreme lange maximale Transportdauer von 29 Stunden für Zuchttiere und 8 Stunden für Schlachttiere wird oftmals nicht eingehalten, auch weil Versorgungsstationen fehlen.

Weiterhin bedenklich ist, dass Tiere, die in den Nahen Osten, nach Nordafrika und in die Türkei exportiert werden, dort häufig unter grausamen Bedingungen geschlachtet werden, wobei auch gegen internationale Standards, die die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) herausgebracht hat, verstoßen wird. Tiere, die als Zuchttiere exportiert werden, werden nach ihrer Ankunft oft unter völlig unzureichenden Bedingungen gehalten.

Tiertransporte sind eine Konsequenz des zunehmend industriellen europäischen Milch- und Fleischproduktionssystems. Männliche Kälber und Zicklein werden als „unerwünschte Nebenprodukte“ behandelt, die keinen wirtschaftlichen Wert mehr darstellen. Sie werden zu sehr niedrigen Preisen verkauft oder gar kostenlos abgegeben und dann ab einem Alter von 14 Tagen in Regionen transportiert, in denen die Mast billiger ist.

Um uns die Umstände vor Ort genauer anzuschauen, waren wir im Dezember 2017 mit Unterstützung der örtlichen Polizei und dem international anerkannten Tiertransportexperten Dr. Rabitsch in der Steiermark unterwegs. Während der Kontrolle wurden bei zwei von drei kontrollierten LKWs Verstöße gegen gesetzliche Bestimmungen festgestellt und sofort zur Anzeige gebracht.

Als Konsequenz dieser untragbaren Zustände fordern wir eine Überarbeitung und Präzisierung der europäischen Tiertransportverordnung. Wir wollen, dass so wenig wie möglich transportiert wird, so kurz wie möglich und so tierschonend wie möglich. Dazu braucht es politischen Willen. Kurzfristig wollen wir eine Verbesserung des europaweiten Kontrollsystems, Einhaltung der bestehenden Gesetze, besseren Vollzug und mehr Aufklärung der Verbraucher*innen und Bäuer*innen. Langfristig ist es unser erklärtes Ziel, dass Tiertransporte von über vier Stunden die Ausnahme werden und anstelle von Lebendtieren hauptsächlich Produkte transportiert werden, also lokal geschlachtet wird.

Näheres zu unserer Aktion in der Steiermark erfahrt ihr in diesem Video: