Geflügelimportskandal aufgedeckt!

Seit Monaten recherchieren mein Team und ich in Kooperation mit der Organisation Shifting Values an einer brisanten Geflügelimport-Geschichte. Der ukrainische MHP-Konzern, sechstgrößter Geflügelproduzent Europas und viertgrößter Landbesitzer in der Ukraine schummelt das wertvollste Stück am Huhn, nämlich die Brust, an den Zöllen vorbei und in die EU hinein. Der Konzern umgeht die geltenden EU-Importbestimmungen, indem beim Zerlegen der Tiere in der Ukraine ein Stück Knochen am Fleisch dranbleibt und die Teile somit nicht in das begrenzte Kontingent des Hühnerbrustimports fallen. Dieser Knochen wird dann in Zweigstellen des Konzerns – in der Slowakei und den Niederlanden – entfernt und die Ware als EU-Produkt am Binnenmarkt verkauft oder zollfrei in Drittländer, wie Südafrika, exportiert.

Für mich ist es unverständlich, wie wir in der EU so etwas zulassen können, MHP bekommt für seine Schwindeleien sogar Kredite europäischer Banken (EBRD: Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, EIB: Europäische Investitionsbank, Weltbank). Ein ukrainisches Unternehmen eines Milliardärs, das seinen Firmensitz im Steuerparadies Zypern hat und nicht einmal Mindesttierschutzstandards einhält, wird mit Steuergeldern von EU-BürgerInnen finanziert. Der Konzern produziert im Alleingang bereits viermal so viel Hühnerfleisch wie ganz Österreich. Das sind öffentliche Gelder, die dafür verwendet werden, unsere eigene Hühnerfleischproduktion durch Billigimporte kaputtzumachen – und noch dazu unterstützen wir damit unvorstellbares Tierleid, schlechte Arbeitsbedingungen und die Zerstörung der Umwelt in der Ukraine. Wir fordern deswegen, dass öffentliche Gelder in Zukunft vollständig an Tierwohlkriterien geknüpft werden und das sowohl für Investitionsbanken genauso gelten soll wie für das Beschaffungswesen und die Zahlungen für die Gemeinsame Agrarpolitik.

Es müssen aber noch weitere Schritte getan werden: Es muss endlich eine verpflichtende Kennzeichnung von allen tierischen Produkten auch in der Gastronomie geben. Die freiwillige Kennzeichnung, die Ministerin Köstinger vorschwebt, reicht bei weitem nicht aus. Wenn das Hühnerschnitzerl auf dem Teller aus einem ukrainischen Massentierhaltungsbetrieb stammt, dann haben wir derzeit kein Recht darauf, das zu erfahren. Eine verpflichtende Kennzeichnung unterstützt unsere heimischen ProduzentInnen und verhindert, dass die Bürgerinnen und Bürger Fleisch vorgesetzt bekommen, das mit unvorstellbarem Tierleid hergestellt wurde. Ministerin Köstinger ist aufgefordert, hier sofort zu handeln.

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